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Interview:

mit Deejay Legende Beppe Loda, von Dr. Nischimura (Cisco Rec./Japan),

DEUTSCHE ÜBERSETZUNG - Alexander Mohl

FRAGEN UND ANTWORTEN 1-8 VON INSGESAMT 16
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1) (dR.nISCHIMURA): Wann haben Sie als Deejay angefangen?  Was war der Grund, als Deejay zu arbeiten?

(BEPPE LODA): Zu Anfang muß ich erstmal etwas Grundlegendes sagen:
„Mein Style hat nichts Cosmic Music³ zu tun, mein Style ist AFRO-Style.“

Zu 1)
Ende 1973 fing ich im KINKY Club (Manerbio-Provinz von Brescia) an, Öffentlich aufzulegen (Privat legte ich schon vorher für Freunde auf).
Es war die große Faszination an der Musik, die mich zu neuen musikalischen Experimenten/Erfahrungen beflügelte.
Schon mit 11Jahren lauschte ich deM„Mangiadischi“ (7 inch, 45 U/min.), dEN meine Schwester Cinzia BESAß. Es waren überwiegend italienische Musiker wie Lucio Battisti , Mina , Adriano Celentano etc., einiger dieser Platten besitze ich immer noch.
Mit meinen Eltern wohnten ich in einem Mietshaus, indem ich mich immer mit den anderen Kindern traf und wir dann mal zu diesem oder zu jenem nachhause gingen, um die von uns eroberten Platten anzuhören.

2) Sie waren der resident Deejay des Typhoon. KÖnnen Sie uns ein wenig darÜber erzÄhlen? Welche KapazitÄt hatte es? Wie sah es innen und aussen aus? Was fÜr eine Anlage war eingebaut? Und Übers Publikum??

(BEPPE LODA) Zu 2.)
Im TYPHOON fing ich schon an zu arbeiten, BEVOR ES ÜBERHAUPT ERÖFFNET WURDE !!
Es wurde von einem Kino in eine wunderschöne Discothek ausgebaut.
Ich war damals maßgeblich an der KONSTRUKTION DER PA UND STRUKTURIERUNG DES GANZEN LOKALS beteiligt.

Schließlich war ich der Resident DJ, der von Anfang bis zum Ende des Typhoon, dort auflegte.
Das Typhoon war einige Male kurzzeitig geschlossen, während dieser Perioden arbeitete ich in verschiedenen anderen Discotheken…
September 1984 bis November 1984 ------  Discothek COSMIC (Lazise)
Dezember 1984 bis MÄrz 1985  ------------ 
Discothek CHICAGO + FUTURA
Das
TYPHOON hat am 19.12.80 erÖffnet und schloss (leider) endgÜltig am 03.09.87 seine TORE.
Es lag in GAMBERA (Süd-Osten in der Provinz von Brescia).

Die Veranstalter waren 4 GeschÄftsleute. NEVIO,MAURO LOSIO, MAURO CO` und BRUNO.
Sie waren aktiv an der kreativen Gestaltung der Discothek beteiligt. Auch den Frauen von Nevio und Bruno(die mich schon aus dem „Kinky“ kannten, war es ein Anliegen eine neue Strasse einzuschlagen, basierend auf meinen musikalischen Ideen und den Anfragen des Direktors Nevio(der aus der Modeszene kam).
Das Typhoon war fÜr 450 Personen zugelassen.
Doch jedes Wochenende pilgerten Über 2000 Leute dorthin.
DIE PA war damals von hÖchstem Level: 4 MACINTOSH VERSTÄRKER, 8 JBL LAUTSPRECHER,  2 TASCAM M30 MIXER, 4 SCHALLPLATTENSPIERLER SEIKI MIKRO 1000. DIE LICHTANLAGE WAR EIN RIESIGES SPEKTAKEL: ANLAGE COEMAR VON CASTELGOFFREDO MANTOVA UND EINEN MÄCHTIGEN LASER.

Das Publikum war am Anfang, meist aus der Umgebung von Brescia/Verona/Cremona und Mantova. Diese begleiteten mich auch, als ich in die anderen Discotheken ausweichen musste.
Viele von Ihnen treffe ich noch heute zufällig auf der Strasse, einige davon sind mittlerweile Freunde geworden. Durch den Aufsehnerregenden Erfolg erweiterte sich die Fangemeinde
ungemein und die Leute kamen aus jeder Ecke ITALIENS, ÖSTERREICHS UND DEUTSCHLAND. Es war ein sehr gemischtes Publikum. Der Look von damals definierte sich durch eine Art POST HIPPY der 70`ger Jahre.

3) Ihr Deejay Style ist einzigartig und fundiert, speziell die Mixe im 1/8 Takt…Kannst du uns etwas über deinen Charakter sagen, und ob du ein bestimmte Technik hast?

Zu 3.)
Da ich immer meine musikalische Identität beibehalten habe, ist mein Style einzigartig geblieben.
Von Anfang bis zum Schluss meiner professionellen Musikauswahl, machte ich nur dass, was mir mein Musikgefühl gesagt hat und immer noch sagt. Natürlich hat mir die Zusammenarbeit mit anderen DJ`s geholfen, meine Profession reifen zu lassen.
Um ein Dj Set richtig zu analysieren, sind meiner Meinung nach die folgenden Attribute ganz entscheidend:
1) DIE QUALITÄT DER MUSIK
2) DAS GEFÜHL UND DIE KREATIVITÄT DES DEEJAYS
3) DIE LIEDERFOLGE
4) DIE MIXTECHNIK

Ich bevorzuge mehr EIN KREATIVES ALS EIN VORPROGRAMMIERTES DEEJAY-SET.
DIES MACHT DEN UNTERSCHIED ZWISCHEN den DEEJAYS AUS.

4) Man weiß das damals die Discoszene eher kommerziell Orientiert war, deswegen sind wir so Überrascht, dass deine musikalischen Experimente so einen Erfolg hatten.
Es gibt ein GerÜcht, das sagte, daß alle Leute in der Disco, um diese Zeit, Heroin nahmen und  Ihr deswegen langsamere Beats gespielt habt.… sind diese zutreffende GerÜchte?

Zu 4.)
Ein großer Verdienst war es von Nevio, dass er wirklich an seine Ideen und an meine FÄhigkeiten, geglaubt hat. Er investierte in die Realisation in eine Disco, die vÖllig alternativ zu allen anderen war.
Dieser Charakterzug verhalf ihm schon bei seiner Mode Boutique “Mister Folly”, zu großem Erfolg.
IN DEN 80'GERN BIS MITTE DER 90'GER WAR AFRO DIE ALTERNATIVE SCHLECHTHIN, ZUR KOMMERZIELLEN MUSIK. Das Publikum des Typhoon bestand aus Leuten, die die einfach verpackte kommerzielle, durch das Radio schon verbrauchte Musik, haßten.
ES WAR EIN TOTALES "INN-LOKAL". DIE MENSCHEN KAMEN NICHT NUR ZUM ZUSEHEN; SONDERN AUCH ZUM GESEHEN WERDEN. Dadurch das auch viele VIP’s ins Typhoon kamen, wurde dort sehr streng und aufmerksam kontrolliert.
Im Gegensatz zu vielen anderen Discotheken in Italien, die immer wieder wegen des erhÖhten Drogenkonsums geschlossen wurden, IST das Typhoon immer wieder nur aus GrÜnden, resultierend aus dem grandiosen Erfolg, GESCHEHEN.
Man muß sich das so vorstellen, im September 1987 bei der WiedererÖffnung, waren 10000 BESUCHER in und um das Typhoon versammelt. Da narturlich nicht alle Platz hatten waren die Straßen in und um Gambara verstopft…Verkehrschaos Pur…(Gambara hatte damals nur 4000 Einwohner!!!)
Ich will gar nicht abstreiten, dass so mancher Joint die Runde machte, doch sehe ich  dort keinen wirklichen Zusammenhang zur Musik, die wir machten.
Ein wesentlicher Unterschied war der, dass ich die Geschwindigkeit insgesamt etwas verlangsamte, umgekehrt zur kommerziellen Musik, die immer schneller wurde.
Mein Prinzip lag darin die rhythmische Geschwindigkeit des Reggae/Dub zu Übernehmen.
 
5.)  Welche Plattenspieler benutzten Sie als DJ? Wenn wir Ihre Mixes hÖren, ist die GeschwindigkeitsverÄnderung bei einigen Liedern so groß, wie sie der Technics 1210 gar nicht erreichen kann?!
 
Zu 5.)
Die Technics Plattenspieler 1200+1210 gab es zu dieser Zeit noch nicht,
ich arbeitete mit 4 Micro 1000 Seiki.
Diese japanischen Plattenspieler waren technologisch so weit fortgeschritten,
dass man die Geschwindigkeit
zwischen  +20% und -20% verstellen konnte.

 6.) Wenn Du Platten gekauft hast, hattest Du bestimmte Gesichtspunkte fÜr Deine Auswahl?
Wo hast Du Deine Platten gekauft?

Zu 6.)
Ich war immer vollkommen frei von Vorurteilen, bei der Auswahl meiner Musik, deshalb habe ich nur Platten gekauft, die mir gefielen. Meine Arbeit als DJ war immer geprÄgt von dem Willen musikalisch mindestens 3 Stunden mit verschiedenster Musik abzudecken. Alle GeschÄfte aufzulisten in denen ich Platten gekauft habe ist unmÖglich., ich mÜsste Dir Hunderte von GeschÄften in ganz Europa und den USA nennen. Von 1983 bis 1986 hatte ich mit meiner Frau Patrizia und meinem Freund Francis einen Plattenladen in Brescia. Der „Senor Salsa“ damit hatte ich Zugang zu allen Export – Import HÄndlern, die nicht an private verkauft haben Der Senor Salsa wurde schnell der Dreh- und Angelpunkt fÜr den Kauf von alternativer Musik auf Platte oder cassette. Die meisten Platten habe ich in Mailand sowohl im Großhandel als auch im Einzelhandel gekauft, denn Mailand war und ist noch heute des Zentrum Italiens fÜr den Import von Disco-Musik. Ich habe in Mailand Plattensammler auf Weltniveau kennengelernt. Unter diesen mÖchte ich nur einen nennen und dies ist „Andrea Anzani“ dem ich auch einen Teil meines Erfolges verdanke.

7.)
Es scheint, dass sich die italienische Plattenszene der 80’er Jahre auf der ganzen Welt ausbreitet. Wir vermuten, das Dein Stil sehr viel Gemeinsamkeiten mit dem Stil von Daniele Baldelli, Stamm DJ DER Cosmic-DISCO, hat.
Gab es einen Grund warum sich viele diesen Stil zu eigen machten?
Und warum war er so erfolgreich?

Zu 7.)
Dass sich die italienische Disco Szene Über die ganze Welt ausgebreitet hat, freut mich ganz besonders. Ich muss aber auch lÄcheln, wenn ich mir Überlege was ich in den 80’er Jahren unterernommen habe um eine Alternative zur kommerziellen Musik zu bieten, die aber auch ein Teil der Italo-Disco war. Heute, besonders im Ausland, wird an mich selbstverständlich immer wieder der Wunsch herangetragen Italo-Disco zu spielen. Selbstverständlich sind bei diesen italienischen Produkten die schön anzuhÖren sind ganz Besonders schÖne StÜcke wie z.B. von Macho, Peter Jaeques Band, Revanche alle Produktionen von Mauro Malvasi, die Easy Going von Claudio Simonetti (der Name kommt von der ersten Discothek in Mailand). Oder die Produktionen von von Celso Vallici ecc. ecc. Der Stil Electro/new Wave 80 (der der Cosmic Musik Ähnlich ist), das wundert mich nicht, denn es ist Musik von hÖchster QualitÄt und die QualitÄt stirbt nicht. Absolut nein!!! Wir haben vielleicht einige musikalische Gemeinsamkeiten aber meine Art DJ zu machen ist genau das Gegenteil. Ich bereite kein keine MusikstÜcke vor sondern lass’ mich von der Atmosphäre des Abends leiten. Ich habe 1979 in der Disco „Le cupole di Manerbia“ anschließend in der „ Al Bisbi“ und im „Good Moon“ ganz besondere musikalische Mischungen präsentiert, mit großem Erfolg und starkem Publikumszulauf in dieser Region. Diese Musikrichtung setzte ich auch im Typhoon fort die „Afro-Musik“explodierte förmlich 1982 mit riesigem Erfolg auch durch den Beginn meiner Tape Serie genannt „Afro“der Begriff „Afro“ist aus der Notwendikeit entstanden, einen einzigen Namen für einen Musik-Mix zu schaffen den ich und andere DJ in dieser Zeit prÄsentierten. Dieser Name ist kein genauer Musikstil, aber er soll als Begriff für verschiedene zu einem Stil zusammengefasste alternative Musikarten dienen, aber genau auf den Mischstil des prÄsentierenden DJ bezogen. Das erste „Afro Raduno“ wurde durch mich organisiert und veranstaltet im Typhoon. Im städtischen Stadion von Gambara prÄsentierten am 09.07.83 14 DJ ein unvergessliches „Afro Raduno“ an alternativer Musik, das war auch der Beginn der Ära „Afro Raduno“ und der Siegeszug in die Welt von DJ Loda DJ T.B.C. DJ Ebreo DJ Fari mit einem fantastischen live Konzert „Fusion“ mit „Toni Esposito und seiner Band“ vor nicht weniger als 7000 Zuschauern. Es waren goldene Jahre. Auf dieser Erfolgslinie entstand auch der Mythos der DJ Afro und der Kult der Afro Diskotheken. Diese Tendenz der Menschen den DJ und die Diskothek zu mitifizieren begann schon mit „Mozart“ in der „Baia delle Angeli“ und hat sich weiter verfestigt mit der absoluten neuen Musikrichtung Afro wir wurden zum auflegen in viele Lokale eingeladen wie absolute Superstars (eine Situation, die sich bis heute fortgesetzt hat). Von Fall zu Fall wurden wir für Premieren Abende als die besten DJ Italiens eingeladen. Mit 4 – 5 DJ hatten wir 4000 – 5000 Personen ganz gleich ob in Freiluftveranstaltungen oder in Sporthallen oder –stadien Du kannst Dir sicher vorstellen, dass viele DJ dem Afro-Stil folgten , die richtige Musik, die richtigen DJ, in den richtigen Lokalen, im richtigen Moment. In diesem Moment denke ich, wenn wir diesen Erfolg in den USA oder in England wären wir sicherlich heute weltberühmt.

8.) KÜnstler wie, Danielle Baldelli, Mozart, Meo und auch TBC, arbeiteten alle im gleichem Zeitraum wie Du, und alle waren miteinander befreundet. Wie war Dein Verhältnis mit ihnen?
Gab es eine Art RivalitÄt zwischen euch?

Zu 8.)
Ich glaube nicht, dass man es Freundschaft nennen kÖnnte. Mein VerhÄltnis zu allen DJ’s (bis auf einen), war, normal. Eine kleine konstruktive RivalitÄt gab es immer, aber immer mit Respekt. Natürlich habe ich natürlich besseren Kontakt mit DJ`s, mit denen ich öfters arbeitete.

 

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